Felix Blog zu diesem und jenem

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Leider ist hier im Moment nicht viel los, deswegen das größere Intervall seit dem letzten Eintrag.
Im Großen und Ganzen verbring ich zwischen 8 und 10 Stunden täglich auf der Uni, was nicht viel Zeit für anderes offen lässt. Dafür gehts im Wahlpraktikum ganz ok voran. So hab ich zwar eine Reaktion wiederholen müssen, nachdem ich den braun-schwarzen Gatsch gesäult hatte und er sich übers Wochenende wieder schawrz verfärbte. Obs diesmal geklappt hat sei dahingestellt. Was aber wunderbar funktioniert hat, war das um 2 kondensierte Phenylringe vergrößerte Pi-System. Das lieferte einen knallgelben kristallinen Feststoff, der starke grüne Fluoreszenz zeigt und in Hexan 1D-Strukturen durch self-assembly auszubilden scheint. Charakterisierung der photophysikalischen Eigenschaften steht aber noch aus. Zusätzlich zu den "synthetischen Errungenschaften" hab ich heute zum ersten Mal eines der 400 MHz NMR Geräte bedient und manuell geshimmt, war wirklich nicht schlecht, dass mal gemacht zu haben.

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Säulenchromatographie des ersten Präparats, das auch wirklich funktioniert hat und nicht schwarzen Schlatz produzierte. Fun Fact: fluoresziert stark grün unter UV-Licht

kleine Geschichte aus Environmental Chem: Prof fragt über CPS (ein Handheld-Device, welches erlaubt kabellos auf seine multiple choice Fragen zu antworten) "What is a free Radical?" A) a revolutionist B) hab ich vergessen C) entsprechende Erklärung für freie Radikale D) That guy from the T-shirts. Dazu soll hier angemerkt werden, dass ein Bild von Che Guevarra eingeblendet war und C die einzige Antwort war, die chemischen Inhalt hatte. Soviel zum Niveau, war aber bisher die Ausnahme.

Diese Woche hatten wir Dienstags übrigens um 06:08 den vorgeschriebenen Fire-Drill (Testalarm). Der Alarm ist zwar nicht ganz so penetrant, wie der im Wiener Studentenheim, aber er sagt sogar "The Fire alarm has been activated. Please leave as fast as possible. Don't use the elevators." Als wär mir vom Gedüdel und dem Stroboskop-Licht im Wohnzimmer nicht schon aufgefallen, dass der Feueralarm aktiviert wurde. Nachdem wir alle bis ins 5min entfernt gelegene Dining Centre marschiert sind, wurde uns mitgeteilt, wir hätten den Test knapp bestanden und von nun an seien alle folgenden Alarme (falls das der Plural von Alarm ist) reale Brandsituationen. Dennoch ging heute, Donnerstag, um 06:39 selbiges Spiel wieder los. Stellte sich heraus, dass sie uns eiskalt ins Gesicht gelogen hatten. Anstatt der vorgeschriebenen 3 min benötigte unser Gebäude 6 min für die erste Evakuierung, so dass wir den Test wiederholen mussten. Das zweite mal gings unter 4 min, so dass es nun hoffentlich passt, ich brauche ja meine gesunde Portion Schlaf.

Heute Abend gings dann mit der CISSA (Centre for Internat. Students and Study Abroad) in den Southwest District für eine Runde Lasertag. War echt sehr lustig, mit 15$ nicht teuer und sehr schweißtreibend. Abgeschnitten hab ich auch nicht schlecht: mit acht und siebt von 39 war ich zufrieden, auch wenn man speziell im Team-Match mit nur 1s respawn-time sehr oft mehrfach getroffen wurde, wenn man in einen Haufen roter Spieler geraten ist. Photos gibts leider keine, weils in der Arena viel zu dunkel und hektisch war, als dass es was gebracht hätte. Am Heimweg musste ich dann traurigerweise feststellen, dass ich doch gerne aufs Konzert der Artic Monkeys am Campus gegangen wäre, da die Musik dumpf nach draußen hörbar war. Der Preis hat mir jedoch zuvor schon einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Zum Schluss noch zwei Photos, damits auch was zu sehen gibt. Fumi und Victor mit selbstgemachten "Tattoos" nach einer kleinen Feier mit Crepes letzten Freitag sowie ein Teil vom Campus, der schon etwas älter ist mit einem der Studentenheime (meines ist 12 Jahre alt und schaut dementsprechend moderner und größer aus). Weitere Neuigkeiten folgen...

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Anm. d. Autors: Bruno ist der Sizilianer in unserer Gruppe und war zum Zeitpunkt auf einem Fieldtrip

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Brewster und Rundle Hall
Direktlink  Kommentare: 2 geschrieben von Felix 30.09.2011, 07:32
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Am Wochenende machten sich Bruno, Fumi, Victor (aka Jesus), Charlène, Natacha, Yuzuke, Travis, Deven und ich auf den Weg nach Westen in den 1,5h entfernt gelegenen Banff National Park in den Rocky Mountains. Großzügigerweise haben sich Travis und Deven bereiterklärt, uns als Chauffeure zu dienen, so dass wir kein Auto mieten mussten, sondern uns lediglich den Sprit teilten. Deven fährt übrigens einen 1968er Dodge Polara 500. Ich hab selten so ein wunderschönes Auto gesehen, aber die Kanadier sind scheinbar daran gewöhnt, denn es haben sich nur wenige umgedreht. Da das Auto außer schön auszusehen leider nicht viel zu bieten hat (der eig. schöne Klang des Autos nervt nach 1h aufgrund der Lautstärke doch etwas, Benzin-Geruch, nicht genügend Sicherheitsgurte, keine Airbags, kein Radio...) bin ich dann später auf Travis' Chevrolet Pick-Up umgestiegen.

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Der 1968er Dodge Polara 500 von Deven.

Leider sind wir erst etwas spät weggekommen, so dass wir nicht allzuviel Zeit hatten. Außerdem war das Wetter mit ca. 8-10 °C und immer wiederkeherendem leichten Regen nicht sehr berauschend, aber immer noch besser als prophezeit. Wir verbrachten daher den Samstag Nachmittag damit, Photos vom Lake Minnewanka in Banff zu machen, etwas zu spazieren und einfach den Ausblick zu genießen.

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Ja, die Kanadier - oder zumindest die Albertans - sind stolz auf ihre Heimat

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Lake Minnewanka in Banff

Etwas später sind wir dann noch zu einem in ein Hotel umfunktioniertes altes Schloss gefahren und haben dort etwas Zeit verplempert. Die Presidential Suite kostet übrigens 3500$/Nacht, wenn ich mich recht erinnere. Die nahegelegene Banff Gonodla (eine Seilbahn) war uns mit 30$ dann doch zu teuer, also sind wir für gut 1,5 h in die Banff Hot Springs und haben uns im 39°C warmen Wasser erholt. Nach einem Besuch in einem winzigen japanischen Restaurant haben wir uns dann noch in der Herberge ein paar Bierchen (0,33l ist Standard) gegönnt (mein bisheriger Favorit: Big Rock Honey Brown Lager) und ich und Fumi haben ein wenig unser Französisch geübt. Alles in allem ein sehr lustiger Abend, aber etwas mehr Schlaf hätte uns allen nicht geschadet.

Am nächsten Morgen sind wir nach Frühstück und kleiner Runde durch die unendlichen Weiten der Souvenir-Läden von Banff nach Lake Louise gefahren. Der See und die Umgebung haben mir besser gefallen, als Banff, es waren jedoch auch mehr Touristen unterwegs. Das Wasser ist azurblau, der Gletscher im Hintergrund bereits leicht vom Schnee angezuckert. Ohne die graue Wolkendecke wahrscheinlich noch um einiges schöner.

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Lake Louise

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v.l.n.r.: Natacha, Deven, Travis, Charlène, Ich, Yuzuke, Bruno, Fumi. Ignoriert Victors Photografie-Künste, der hier auch das Fernglas mit aufgenommen hat.

Unser letztes Reiseziel war dann schließlich der nicht weitgelegene Lake Moraine, eine der wohl am öftesten photografierten Kulissen Kanadas. Ich muss aber gestehen, dass ich das durchaus verstehen kann. Es war mit Abstand der schönste Ort den wir am Wochenende besucht haben, obwohl das Wetter dort am schlechtesten war. Aber da Bilder ja mehr sagen, als tausend Worte...sehet selbst.

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Lake Moraine

Abschließend noch zwei Bilder, beide während der Heimfahrt geschossen, die ein wenig die kontroverse Natur der Rockies zeigen sollen. Einerseits kann man extrem felsige, scharfzackige Bergketten vorfinden, andererseits leicht hügelige Waldflächen, die sich bis zu den Berghängen hinziehen und meist von kleineren Flüssen durchzogen sind.

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Rocky Mountains, hier dem Namen entsprechend...

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... hier wiederum nicht so ganz
Direktlink  Kommentare: 6 geschrieben von Felix 21.09.2011, 03:30
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Montag hat der Unialltag seinen Lauf genommen; anstatt vereinzelter Studenten sind nun ganze Heerscharren unterwegs. Hier in Canada besuche ich zwei VOs: einerseits CHEM 533 (Advanced Inorganic Chemistry II) und CHEM 321 (Environmental Chemistry). VOs sind bisher nicht schlecht, vor allem die Anorganik gefällt mir sehr gut, Environmental Chem. ist etwas faad, weil es ein Kurs aus dem zweiten Jahr ist, so dass das Niveau nicht wirklich hoch ist. Aber es hat ja erst angefngen, wird schon noch steigen.

Abgesehen von den zwei VOs mache ich auch ein 8-wöchiges Wahlpraktikum. Dieses absolviere ich in einer ansässigen Forschungsgruppe, die sich mit der Synthese von Phosphol-Systemen (für Nicht-Chemiker: 5 gliedrige aromatische Kohlenwasserstoffe, welche Phosphor enthalten) für die Verwendung in OLEDs, PLEDs, OPVs oder Sensorsystemen. Dabei soll ich nun ein paar Verbindungen synthetisieren, welche hoffentlich stark fluoreszieren und evtl. Geleffekte oder flüssig-kristalline Zustände aufweisen. Montags gings dann gleich los. Details werd ich hier jetzt nicht präsentieren, einerseits aus Gründen der vertraulichen Behandlung unserer Ergebnisse, usw. und andererseits weil ein Teil der Leser eh nichts verstehen würde. Es sei nur so viel gesagt: es wurde lithiert, unter Inertgas gearbeitet und auch eine Ringschlussreaktion durchgeführt. Alles in allem machst schon Spaß, ich muss mich dennoch erst wieder einarbeiten. Meine OC ist doch etwas rostig.

Damit ihr aber dennoch einen Eindruck bekommt, hier ein paar Photos vom Labor und von meinem ersten fast fertigen Produkt, das hier unter UV Licht gezeigt wird.

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ca. 1/3 des Labors

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Mein Abzug während eines Filtrationsschrittes. Leider ist das Zwischenprodukt noch nicht bunt.

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Das Produkt während des Oxidationsschrittes unter UV-Licht


Ansonsten gibt's nicht viel Neues. Meine Mitbewohner sind alle drei gebürtige Kanadier aus der mehr oder weniger näheren Umgebung von Calgary und ich komm sehr gut mit ihnen aus. Ich bin immer noch damit beschäftigt die lokalen Biersorten durchzuprobieren und mir Notizen dazu zu machen, um schlussendlich einen durch langzeitige Untersuchungen fundierten Bericht zum Thema kanadisches Bier zu verfassen.
Morgen geht's dann übers Wochenende in die Rocky Mountains, da gibt's dann wahrscheinlich montags einen Bericht mit mehr Photos, sofern es das Internet und mein Computer zulassen. (Ersteres ist ab und zu wahnsinnig langsam und mein Mac spinnt seit einer Stunde und springt die ganze Zeit mit dem Cursor hin und her, was tippen zu einer nahezu unmöglichen Tätigkeit macht.)
Direktlink  Kommentare: 1 geschrieben von Felix 17.09.2011, 08:13
Eingeordnet unter: Canada, Chemie, Studium


Wie bereits im letzten Beitrag kurz angeschnitten, bin ich am Montag ins Studentenheim "Cascade Hall" am Campus umgezogen. Ich teile mir dabei das Apartment mit 3 weiteren Bewohnern, allesamt Kanadier aus der Umgebung. Sie sind alle nett und ich denke ich werde gut mit ihnen auskommen, da wir tlw. einige Interessen teilen bzw. einfach nur weil der Kanadier an sich i.d.R. sehr freundlich ist.
Es hat auf jeden Fall seine Vorteile kanadische Mitbweohner zu haben. So kann ich zB ihre Töpfe und Pfannen benutzen. Bruno hingegen wohnt mit 2 weiteren Austausch-Studenten zusammen und sie mussten sich alles selbst besorgen. Weiterer Vorteil ist, dass Liam (einer meiner Roomies) Security in der einzigen Bar am Campus ist. Die haben wir übrigens gestern mal ausprobiert, weils jeden Donnerstag billiger ist. Die Bar ist wirklich nicht schlecht, Bier ist verhältnismäßig günstig und auch genießbar. EInziges Manko ist die nicht zum Irish-Pub Stil passende Musik (wer hätte das erwartet, dass ich mich über die Musik beschwere :D )
Alles in allem bin ich mit dem Apartment zufrieden, gefällt mir sogar etwas besser als in Wien, vor allem weil wir hier ein kleines Wohnzimmer haben, das für gemütliches Zusammensitzen um einiges bequemer ist, als die Küche in Wien.

Zum Schluss noch ein paar Photos von meinem Zimmer bzw. vom Wohnbereich.

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Beinahe vergessen, Musik-Tipp der Woche. Explosions In The Sky. Man kann nie genug Post-Rock hören.
Direktlink  Kommentare: 2 geschrieben von Felix 09.09.2011, 23:00
Eingeordnet unter: Canada, Dies und das


Am Samstag machten wir (Carl, Bruno, Emiel aus NL und ich) uns auf den Weg in den Nordwesten der Stadt. Dort befindet sich im Stadtteil Brentwood der Nose Hill Park, der größer ist als die gesamte Downtown. In genau diesem Park sind wir dann ca. 2 h spaziert bzw. gewandert.
Wie bereits erwähnt, befindet man sich sobald man aus der Downtown hinaus kommt schon auf sehr weiten, offenen Flächen, die tlw. nur sehr spärlich besiedelt sind. Dieser Teil liegt trotzdem noch quasi mitten in der Stadt. Dennoch hat man das Gefühl in der mitten im nirgendwo in einsamer Prärie zu stehen, wären da nicht die startenden und landenden Flugzeuge bzw. die Spitzen weniger Gebäude der Downtown zu sehen. Alles in allem wirklich ein Besuch wert und eine gute Alternative zur hektischen Downtown der letzten Tage.

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Blick auf die umliegenden Gebiete von der Anhöhe des Nose Hill Parks

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Der Typ da, das bin ich. Im Hintergrund die Downtown von Calgary

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Am Freitag zuvor war ich übrigens mit Emiel im Glenbow Museum. Das hat sich wirklich gelohnt, immerhin ist es eines der größten Museen West-Kanadas. Zu sehen gabs zuerst mehr oder weniger abstrakte Kunst (die könnte ich auch) und Original-Kostüme von div. Hollywood Produktionen wie zB. Sherlock Holmes oder Fluch der Karibik. Der zweite Stock war dann ganz der Geschichte der Indianer und deren Vertreibung durch die kommenden Siedler gewidmet. Man könnte auf dieser Etage wahrscheinlich 5 Stunden und mehr verbringen, so viel Zeit haben wir dann jedoch doch nicht "geopfert." Im dritten Stock gabs dann noch eine kleine Sammlung von Waffen, Rüstungen und sonstigem Kriegsmaterial aus dem Mittelalter bis zum WW2, sowie eine kleine Mineralien-Sammlung zu sehen. Da Photos nicht überall erlaubt waren und ich den Stein so schön finde, gibts hier nur ein Photo vom "Crocoite."

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Das Fort Calgary haben wir am Sonntag Nachmittag besucht, war aber das Geld leider nicht wert. Es wird dabei die Gründung der Stadt durch die North West Royal Mounted Police (die berühmten "Mounties") gezeigt. Leider war die Ausstellung weder groß, noch sehr informativ.

Heute, Montag, konnte ich endlich in das Studentenheim am Campus einziehen. Das Zimmer ist zwar nicht sehr groß, aber für 4 Monate wirds wohl reichen. Dafür ist das Apartment sonst nicht schlecht, zB. ist der Kühlschrank riesig und es ist schon Bier drin, obwohl noch keiner eingezogen ist (evtl. ein Gastgeschenk :D). Meine 3 Mitbewohner sind noch nicht angekommen, die werden wohl erst im Laufe der Woche auftauchen, da jetzt die Orientierungsveranstaltungen für neue Studenten anfangen und sie das nicht betrifft. Photos vom Apartment und Berichte folgen dann. Nur so viel sei gesagt: Die drehen hier alle voll durch vor Excitement und Vorfreude und machen echt ein Mords-Trara wegen Einzug und First-Year-Orientation.
Direktlink  Kommentare: 3 geschrieben von Felix 05.09.2011, 21:40
Eingeordnet unter: Canada, Dies und das


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